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Keine Zeit zum Schreiben?

Ich bin fast sicher, dass wir hier unter uns ein paar Schreibende haben, bei denen 2025 auch schon "deren Schreibjahr" hätte sein sollen. Wenn ich in den Spiegel schaue, seh ich auch gleich eine solche Person.

Kann der Alltag mal bitte Pause machen?

Kann er nicht, wissen wir alle. Und bitte erwarten Sie jetzt von mir keine schlauen Lösungen. Ich bin die Person, die zum Jahresende einen Roman hätte abgeben müssen, und die jetzt noch mindestens 100 Seiten vom Finale entfernt ist. Zum Glück fällt niemand tot um, wenn ich verspätet abgebe, ärgerlich ist es trotzdem.

Warum wir nicht zum Schreiben kommen, kann ganz unterschiedliche Gründe haben:

  • Wir planen zu optimistisch. Nach einem 10-Stunden Job, Haushalt und Carearbeit noch Energie zum Schreiben zu haben, kann passieren, ist aber störanfällig.
  • Wir priorisieren andere Dinge, ohne es zu merken. Schreiben "darf" erst stattfinden, wenn der Hund gelüftet, der Trockner befüllt, das Mailpostfach geleert, das aufgeschobene Telefonat erledigt, der Flur gewischt und das Abendessen vorbereitet ist. 
  • Wir haben schädliche Glaubenssätze verinnerlicht, ohne es zu merken. "Wenn ich nicht mindestens 4 Stunden drüberbleiben kann, brauch ich gar nicht anzufangen." "Jedes Wort, das ich schreibe, muss Gold sein, deshalb kann ich nur schreiben, wenn ich 100 % fit bin." "Einen Roman zu schreiben, das ist doch eh nur ein Hirngespinst. Das wird eh nix, kann ich also auch gleich Fenster putzen." Die wenigsten von uns sagen sich das bewusst so vor. Aber unterschwellig können solche Botschaften mitschwingen.
  • Wir haben ein Umfeld, das unsere Grenzen nicht respektiert. Es ist ja "nur" Schreibzeit, "nur" ein Hobby, deshalb darf jedermensch uns stören, wenn die Spülmaschine komisch blinkt oder der Brief von der KFZ-Stelle nicht auffindbar ist. 

Natürlich gibt es noch massig andere Gründe, und nichts davon ist mit einem Fingerschnippen abzustellen. Aber die Ursachenfindung ist der erste, wichtigste und gar nicht so triviale Schritt zu mehr gesicherter Schreibzeit.

Meine 3 liebsten Tricks für mehr Schreibzeit

  • Verabredungen treffen: Sei es, dass ich mich mit einer anderen schreibenden Person auf Zoom oder Teams zum Coworking treffe, oder auch nur jemanden bitte, mich zum Zeitpunkt X zu fragen, ob ich Kapitel Y fertig geschrieben habe - es laut auszusprechen macht mein Ziel für mich verbindlicher. Coworking funktioniert im Übrigen auch, wenn die andere Person die Steuererklärung macht oder Aufsätze korrigiert - Hauptsache, es ist Schreibtischarbeit.
  • Ziele überprüfen: Eher ein "Troubleshooting", finde ich aber trotzdem wichtig. Wenn ich andauernd die Ziele verfehle, die ich mir selber gesteckt habe, kann das auch an den Zielen liegen. Ich habe das Lüftungsbedürfnis meines Hundes unterschätzt oder meine geistige Leistungsfähigkeit nach einem langen Tag im Lektorat überschätzt. Und vielleicht bin ich auch einfach nicht der Typ, der 1500 Worte in der Stunde rauskloppt. (Bin ich nicht. Garantiert.) Dann heißt es, die Ziele an die Realität anzupassen, denn kleine Ziele, die ich regelmäßig erreiche, halten meine Motivation aufrecht. 
  • Die 5-Minuten-Regel: Die ist bei mir dafür verantwortlich, dass überhaupt jemals irgendwas fertig wird. Ich habe, wie viele ADHS-Personen, ein massives Problem mit dem Anfangen. Allein die Idee, jetzt das Dokument aufzumachen und 300 Seiten Lektorat vor mir zu haben (oder fehlende 100 Seiten Text bis zum Finale), kann mich vollständig lähmen. In solchen Fällen treffe ich mit mir eine Abmachung. Ich öffne das Dokument und stelle mir den Timer auf 5 Minuten. Dann fange ich an zu arbeiten. Wenn ich es nach 5 Minuten immer noch überhaupt nicht fühle, darf ich das Dokument wieder schließen und etwas anders machen. Damit reduziere ich die Hürde und habe eine gute Chance, zu erkennen, dass es ja eigentlich doch Spaß macht.